Wednesday May 23rd 2018

“Die Epoche der Filmära geht zu Ende.” … oder?

“Die Epoche der Filmära geht zu Ende.”

Scala Kino in Hof

So sagt zumindest Filmemacher Klaus Lemke bei den 45. Hofer Filmtagen diesen Jahres. Dennoch zeigte das Festival über 100 Filme aus verschiedenen Ländern die das Inferno des deutschen Kinos noch in weit entfernter Zukunft liegen zu scheinen lassen.

In Hof liefen Kurz- und Langfilme mit deutschem Drama, französischer Clownerie, Religiös Kulturelle Auseinandersetzungen, Cyber Komödien, futuristische Thriller und schwarze Tragödien.

Heinz Badewitz, der das Festival in den sechziger Jahren gründetet, ist als bestehender Leiter der Filmtage immer noch federführend bei der Auswahl der Filme. Sein Fokus fällt auf Deutsche Produktionen und Filmhochschul-Erstlingswerke.
Dieser fiel dieses Jahr auf klassische Dramen, aber auch auf Filme aus experimentellerer Sparte. Zum Beispiel wurde die französische Komödie “La Fée” (dt. Die Fee) gezeigt. “La Fée” wurde von drei Schauspielern die aus dem Tanztheater kommen selbst geschrieben, produziert und besetzt. Sie st eine Mischung aus Slapstick, Surrealismus und Minimalismus. Zum Beispiel gibt es eine plötzliche Szene unter Wasser in der die Geschichte mittels Tanz erzählt wird und die Quallen aus Plastiktüten das Meer symbolisieren. Es ist generell zu bewundern, dass ein solches Werk von nur drei Menschen bewältigt wurde. Leider scheint die Idee noch nicht vollendet und dem 93 minütigen Film fehlt ein Fluss und Zusammenhang in der Geschichte.

Für einen Dialog zwischen Regisseuren verschiedener Genres und Herangehensweisen an das Filme machen kamen Oliver Rihs (Film “Dating Lanzelot”), Leo Khasin (Film “Kaddisch für einen Freund”), Rouven Blankenfeld (Film “Online Secrets”) und Klaus Lemke (Film “3 Kreuze für einen Bestseller”) zusammen. All diese Männer haben eine sehr eigene Meinung was die Realisierung und Qualität eines Filmes angeht, weshalb aus dem Dialog eine Diskussion über das deutsche Kino als Industrie entstand.

v.l. Sanam Afrashteh, Neil Belakhdar, Neil Malik Abdullah - FFF Bayern Empfang

Für den Film “Kaddisch für einen Freund”, über einen zugewanderten Jungen, der in Deutschland den Palästinensisch- Jüdischen Streit an eigenem Leibe erfährt, brauchte Autor und Regisseur Leo Khasin von der Idee bis zur Veröffentlichung ganze 6 Jahre. Zu sehen ist nun ein berührendes Drama das von der Zwangsfreundschaft zwischen Jüdischem Weltkriegsveteranen und vierzehnjährigen Libanon Flüchtling lebt. Eine Aufwendige Geschichte mit anspruchsvoller Besetzungsarbeit, Herzblut und viel Recherche verbunden. Dagegen war der Film “Online Secrets” über einen Stalker der seine Opfer heimlich über deren Webcams beobachtet, sehr viel einfacher zu realisieren, denn ein Drehbuch gab es nicht. Die Geschichte wie auch das Filmmaterial entstanden während des Unterrichts an einer Berliner Schauspielschule, den Regisseur Rouven Blankenfeld gab, mit seinen acht Schülern und einem Budget von 400€. Blankenfeld sagt auch, es gäbe für einen Filmemacher dank aktueller technischer Möglichkeiten keinen Grund mehr einen Film nicht zu machen. Doch nachdem man “Online Secrets” gesehen hat, stellt sich die Frage ob wirklich alles ins Kino muss, nur weil es geht. Vielleicht muss akzeptiert werden, dass der Kontrast zwischen Film und Onlinedarstellung wächst und entschieden für das ein oder andere Medium produziert werden.

Um eine gewisse Qualität zu generieren die den Kinogang für die Cineasten genießbar macht , braucht es entsprechendes Equipment, Team, Umsetzung und Nachbearbeitung. Dies ist auch Regisseur Oliver Rihs wichtig. Bei seiner sexy Komödie mit romantischem Schliff “Dating Lanzelot”, die ursprünglich als Serie gedreht wurde kam dies im Sounddesign und der grafischen Nachbearbeitung zu tragen. Durch diese Stilisierung bekommen die Horror-Erlebnisse beim Online Dating von Lanzelot eine Frische und auch das Bollywood Ende hat seine Wirkung. Rihs sagt, er sei froh seine Darsteller und sein Team gebührend für ihren Einsatz entlohnen zu können und der Branche als solche beizutragen. Klaus Lemke, der seit 1965 Filme macht, hingegen findet die Leute sollen froh sein, dass sie mit ihm arbeiten dürfen, ohne dafür bezahlt zu werden, obgleich Herr Lemke seine Filme sehr wohl an das deutsche Fernsehen verkauft. Lemke prophezeit den Niedergang des deutschen Films innerhalb der nächsten 2 Jahre und sagt, dass Bully Herbig und Til Schwieger die letzten Überbleibsel seien und es ohne sie gar kein deutsches Kino mehr gäbe. Am diesjährigen Festival nimmt er mit “3 Kreuze für einen Bestseller teil”, der ganz in Lemkscher Manier ohne Drehbuch und ohne Crew gedreht wurde. Es geht um eine junge Autorin, die versucht einen Bestseller zu schreiben, wobei die Erlebnisse der Charaktere eher als Story vordergründig sind. Große Worte und Kritik die sich Klaus Lemke über die Branche heraus nimmt, die aber leider durch seine jüngsten filmischen Leistungen kaum gerechtfertigt sind.

Fakt ist, dass bei den diesjährigen Hofer Filmtagen mitreißende, spannende und schöne Filme wie “Die Unsichtbare”, “Ein Leben auf Probe” und “Kaddisch für einen Freund” gezeigt wurden, die Hoffnung auf ein Überleben der Filmbranche in Deutschland vermitteln.

 

 

 

Interviews mit:

(siehe unten) und Film-Rezensionen des Programms bei den 45. Hofer Filmtagen folgen in Kürze.

Leo Khasin (Regie "Kaddisch für einen Freund") im Interview
Axel Ranisch (Regie "Dicke Mädchen") im Interview
Oliver Rihs (Regie "Dating Lanzelot") im Interview
Heiko Pinkowski (Film "Dicke Mädchen") im Interview
Neil Belakhdar im Interview mit Mara Scherzinger

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