Wednesday September 19th 2018

Cologne Conference 2011

Logo der Cologne Conference
Die 21. Cologne Conference, ein internationales Film- und Fernsehfestival, fand dieses Jahr vom 25. – 30.9. statt. Das Programm beinhaltete ein breites Angebot von Veranstaltungen, flankiert von sogenannten Lectures, in denen aktuelle Impulse für die Film- und Fernsehindustrie diskutiert wurden.

Veränderungen durch Medienkonvergenz im Fokus

Ein viel beachteter Beitrag des Festivals war der südkoreanische Kurzfilm Night Fishing von Regisseur Park Chan-wook, der ausschließlich Bilder eines iPhone 4 verwendete. Hier zeigt sich eine Entwicklung, die sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen zieht: die Produktionsmittel für Content weden demokratisiert, Zuschauer werden zu Produzenten.

Auschnitt aus Night Fishing
Night Fishing - gefilmt ausschließlich mit iPhone4

So wurde denn auch im Podium der Lecture „Packaging the News“ die Frage erörtert, inwiefern Social Media Plattformen für die Nachrichtenproduktion eine Rolle spielen. Auch die Frage, wie mit dem Zeitdruck umgegangen wird, der durch in Realtime verfügbare bewegte Bilder aus Krisenherden auf die traditionellen Redaktionen einwirkt, wurde recht kontrovers diskutiert.

“More than TV – Eine Branche erfindet sich neu”, so der Titel einer anderen Lecture, die sich vor allem mit der zunehmenden Konvergenz von Internet und Fernsehen auseinandersetzte. Diskutiert wurden Technologien, Plattformen und neue Ansätze für Geschäftsmodelle. Sowohl für Produzenten als auch Rechteinhaber bewegter Bilder bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Herausforderung.

Festival

In gleich vier Reihen unterteilt waren die Festivalbeiträge an sechs verschiedenen Orten zu sehen. Die Reihe Topten zeigte die zehn besten Produktionen der internationalen Fernsehlandschaft. Look wartete mit visuell außergewöhnlichen Beiträgen aus Film, Fernsehen und Neuen Medien auf. Die Reihe Kino bot eine Auswahl internationaler Kinoproduktionen. Die Showcases kombinierten Präsentationen von und anschließenden Empfang mit der Möglichkeit zum weiteren Gedankenaustausch mit Mitgliedern des Teams.

Wer rettet Dina Foxx
Wer rettet Dina Foxx - TV + Internet + Online-Game

Eine sehr informative Präsentation des Projektes „Wer rettet Dina Foxx“, einer viel beachteten transmedialen Produktion im Rahmen des Kleinen Fernsehspiels des ZDF lieferte viele Hintergrundinformationen zu dem Projekt. Der Beitrag „Between Two Cities“, eine Erzählung über das Schicksal einer jungen Frau aus der chinesischen Landbevölkerung zwischen den aufstrebenden Metropolen Macao und Hongkong, vermittelte dabei auch einen Eindruck von der bei uns wenig bekannten chinesischen Fernsehkultur. Insgesamt gab es im Rahmen des Festivals 48 Beiträge zu sehen.

Besonders erwähnt sei noch die traditionelle Kultnacht des WDR, die sich in diesem Jahr mit der Entwicklung der Musikszene ab den 60er Jahren im Rheinland beschäftigte und dabei viele interessante Bilder aus dem Pop-Archiv des Senders ausgrub. Wer weiß zum Beispiel heute noch, dass die bekannte Elektronik-Band Kraftwerk früher einmal ziemlich psychodelisch daherkam? Und die Bilder von La Düsseldorf in der Plattenküche waren einfach für die heutige Zeit unglaublich. Der restaurierte Kultfilm Deep End aus dem Jahr 1971 von Regisseur Jerzy Skolimowski rundete das Programm der Kultnacht ab, sehenswert auch wegen seines Soundtracks, der Musik von Can und Cat Stevens in sich vereint.

Plakat von Deep End
Deep End - Kultfilm aus den 70ern

Preise

Der in Indien geborene Regisseur Tarsem Singh erhielt den diesjährigen Filmpreis Köln. Tarsem, Jahrgang 1961, folgt damit auf David Lynch, der im vergangenen Jahr in Köln ausgezeichnet wurde. Der als Hauptpreis der Cologne Conference verliehene Filmpreis Köln ist mit 25.000 Euro dotiert und wird für herausragende Leistungen „in der Grammatik und Poetik der audiovisuellen Medien“ vergeben. Preisstifter sind die Stadt Köln und die Film- und Medienstiftung NRW.

Tarsem Singh, der sich als Regisseur nur „Tarsem“ nennt, ist durch seine Spielfilme „The Cell“ (2000, mit Jennifer Lopez) und „The Fall“ (2006, mit Lee Pace, Justine Waddell und Catinca Untaru) bekannt geworden. „The Fall“, in dem ein verletzter Stuntman einem kleinen Mädchen die Geschichte der Alexanderschlacht erzählt, gilt inzwischen als eines der Meisterwerke der Filmgeschichte. Tarsem hatte den Film an allen Hollywood-Studios vorbei mit eigenem Geld finanziert und in 25 Ländern gedreht.

Der gleichfalls auf der Cologne Conference verliehene „TV-Spielfilm-Preis“ ging in diesem Jahr an Todd Haynes für den HBO-Mehrteiler „Mildred Pierce“, eine Neuverfilmung von James Cains Roman mit Kate Winslet in der Hauptrolle. Haynes war für seine Filme „Far From Heaven“ und „I’m Not There“ für den Oscar nominiert worden.

Den „Hollywood Reporter Award“ erhielt der britische Emmy-Gewinner Paul Abbott, der unter anderem für die BBC-Serien „Cracker“ („Für alle Fälle Fitz“) und „State of Play“ Drehbücher geschrieben hat. Abbotts neue Serien „Shameless“ und „Exile“ liefen auf der diesjährigen Cologne Conference.

Den deutschen Casting-Preis bekam Sophie Molitoris für die Besetzung des Films „Neue Vahr Süd“.

Die Preise der Cologne Conference wurden am 30.09. im Jahrhundertsaal des Gerling Quartiers in Köln verliehen.

Fazit

Die Cologne Conference 2011 war eine gelungene Veranstaltung. Allerdings dürfte, bei aller Begeisterung über das herrliche spätsommerliche Wetter während der Festivaltage, die insgesamt doch recht niedrige Besucherzahl bei den Vorführungen die Freude beim Veranstalter etwas dämpfen. Insgesamt bleibt ein positiver Eindruck und die Empfehlung, im nächsten Jahr auf jeden Fall das Festival zu besuchen. Immerhin kosteten die Abenkarten lediglich 6 Euro.

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